WAS IST FRANCHISE?

 

EINER DER DREI WEGE IN DIE SELBSTÄNDIGKEIT

Es gibt drei Arten, sich selbständig zu machen: die klassische Betriebsgründung, die Betriebsübernahme und Franchising.

Franchising ist zB in den USA oder in Frankreich seit Jahrzehnten als dritter Weg in die Selbständigkeit sehr bekannt und geschätzt. Nun liegt Franchising weltweit und in Deutschland stark im Trend.

Wenn man überlegt, Franchisepartner zu werden, ist es wichtig, zwei Dinge vereinen zu können: zum einen, die Rechte und Pflichten als Unternehmer wahrzunehmen, zum anderen trotzdem Teamplayer zu sein!

Dieses Miteinander unter einer starken Marke entspricht auch dem Trend zur Sharing Economy.

EINE MARKE MIT SYSTEM FÜR ALLE 

Im Franchising geht es um ein Kooperations- und Vertriebssystem, durch das Waren und Dienstleistungen von rechtlich selbständigen Unternehmen gemeinsam vermarktet werden, mit dem Ziel des wirtschaftlichen Erfolges für alle Beteiligte. Im Klartext heißt das, ein Unternehmer hat eine Idee für ein neues Produkt, eine Dienstleistung oder im Vertrieb und stellt diese anderen Unternehmern gegen Entgelt für eine bestimmte, vertraglich geregelte Zeit zur Verfügung. Sharing-Economy oder Marken-Sharing könnte man sagen.

Je nach der Geschäftstätigkeit werden die Systeme in drei Bereiche gegliedert:

1) Produktions-Franchising: Es wird Know-how zur Produktion bzw. zum Vertrieb überlassen

2) Vertriebs-Franchising: Der Vertrieb von Gütern steht im Vordergrund

3) Dienstleistungs-Franchising: Know-how zur Dienstleistungserbringung wird überlassen.
 

Die Franchisepartner nutzen das aufgebaute Know-How des Franchisegebers und starten in die Selbständigkeit mit seiner Marke.

Dabei ist der Zeitraum dieser Überlassung (von was?) klar geregelt. In dieser Zeit darf der Franchisenehmer Namen, das Design und die Geschäftsidee verwenden, um Waren zu verkaufen oder Dienstleistungen zu vertreiben. Die Geschäftsidee ist dabei immer bereits vom Franchisegeber erfolgreich getestet und weiterentwickelt worden. So übernimmt der Franchisenehmer ein schon funktionierendes Geschäftsmodell. Als Gegenleistung entrichtet der Franchisepartner entsprechende Gebühren. Dazu gehören beispielsweise Eintritts- (Einstiegs-) oder Franchisegebühren.

WAS STECKT IM LEISTUNGSPAKET DER FRANCHISE?

Franchisesysteme sind "Leistungspakete", die der Franchisegeber dem Franchisenehmer oder auch Franchisepartner genannt, bietet. Die Qualität dieser Pakete bestimmt den Erfolg am Markt und für das Franchisesystem.

Den Kern des Franchisepakets bilden das Marketingkonzept (Produktpolitik, Preise und Konditionen, Kommunikationspolitik, Vertrieb) und das Organisationskonzept (Betriebsführung, Systemorganisation, Ausbildung des Franchisenehmers, Beratung, IT, Finanzplanung und Rentabilitätsrechnung, Kommunikation, Konfliktlösung, Innovationen und Digitalisierung).

Alle Details dazu sind im „Handbuch“ des Franchisesystems geregelt.

Wesentliches Kriterium eines Franchisesystems und zentrale Leistung des Franchisegebers ist die Überlassung von Schutzrechten während der Vertragslaufzeit. Es ist wichtig, den Vertrag gut zu prüfen, prüfe wer sich bindet! Die Laufzeit der Verträge ist je nach Investitionskosten unterschiedlich, oft aber um die sieben Jahre.

FRANCHISING – EIN NEUES KONZEPT?

Dem ist nicht so. Wie eine aktuelle Erhebung des Deutschen Franchiseverbandes zeigt, beträgt das durchschnittliche Alter der Franchisesysteme in Deutschland etwa 20 Jahre. Etwa die Hälfte der Franchisesysteme in Deutschland wurde seit dem Jahr 2000 oder später gegründet. Während das älteste in Deutschland aktive System sogar schon 1920 gegründet wurde!

41 % sind in der Zeit von 1980 bis 1999 an den Start gegangen. Jung sieht also anders aus. Was aber die Franchisewirtschaft auszeichnet, ist eine besondere Agilität, schließlich ist der Franchisegeber im kontinuierlichen Austausch mit seinen Partnern. Die auf Kooperation basierende Zusammenarbeit ist ein stetiger Lern- und Innovationsprozess. Auf beiden Seiten. Ein lange am Markt agierendes Franchisesystem kann daher jung, agil und nicht zuletzt innovativ agieren.

Geschichte des Franchisings

Made in USA

Nach „Straight Product“ und „Manufacturing Franchising“ (Produktionsaufgaben) begann sich in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Franchising auf den Einzelhandel und das Dienstleistungsgewerbe auszudehnen, wo es sein größtes Wachstum erreichte. Viele der legendären Franchiserestaurants wie z. B. Kentucky Fried Chicken, Dairy Queen, Dunkin' Donuts oder Burger King entstanden um das Jahr 1930.

In den USA förderte das hohe Maß an Reisen und Mobilität nach dem Zweiten Weltkrieg die beiden Erfolgsfaktoren "Markenbildung" und "Standardisierung" und damit die Realisierung eines überall gleichmäßigen Qualitätsstandards. Daraus entwickelte sich das "Franchising der zweiten Generation" und damit das Franchising heutiger Auffassung. Die Aufgabenteilung sah bereits damals für den Franchisegeber Zuständigkeiten wie Corporate Identity, Standardisierung von Erscheinungsbild und Produkt, Ausbau der Produkt-Service-Kombination sowie die Schulung der Franchisenehmer vor. Insbesondere die starke Ausweitung der Nachfrage nach Konsumgütern und die rasche Zunahme des Dienstleistungssektors verhalfen dem Franchising auch in weiterer Folge zu hohen Wachstumsraten.

 

Made in Austria

Franchising kann durchaus (auch) als österreichische "Erfindung" bezeichnet werden. Denn jene Trafiken, die seit 1784 den Verkauf von Tabakwaren für das österreichische Tabakmonopol übernommen haben, hatten schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts wichtige Bestandteile eines Franchisekonzepts "verinnerlicht". Klar ist damit u. a. auch, dass das weit verbreitete Missverständnis, wonach Franchising in Amerika "erfunden" worden wäre, nicht auf Tatsachen beruht: Das Wort "Franchise" stammt aus der Sprache der "Grandé Natione" und bedeutete ursprünglich "Privileg". So bekamen Kaufleute zum Beispiel die Möglichkeit, gegen Entgelt, Messen in bestimmten Gebieten durchzuführen.

Als erstes Unternehmen, das Franchising in seiner heutigen Erscheinungsform praktizierte, gilt der Nähmaschinenhersteller I. M. Singer: Mit der Erteilung von Exklusivverkaufsrechten von Singer an von Haus zu Haus reisende Händler wurde bereits im 19. Jahrhundert das "Straight Product Franchising" bzw. das reine Produkt- und Warenfranchising entwickelt. Weiter ging's dann mit der österreichischen "Pionierarbeit" im 20. Jahrhundert, als Unternehmen wie Palmers intensiv zur Propagierung des Franchisegedankens beitrugen.